Granat wird bald nach alter Manier gekocht

30. April 2010 um 19:47 | Veröffentlicht in Greetsiel und umzu | Hinterlasse einen Kommentar
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Greetsiel. Das wunderschöne Frühlingswetter nutzen der 68-jährige Greetsieler Hafenmeister Heinz Wolff und der 72-jährige Fischer Hermann Holzkämper, um dem Museumskutter „Ems” einen neuen Anstrich zu verpassen. Er liegt seit Montag hoch und trocken auf der Slipanlage im Greetsieler Hafen, die von den beiden Rentnern Holzkämper und Siegfried Gruchow betreut wird. Vermutlich morgen kann die „Ems” wieder zu Wasser gelassen werden.

Derzeit wird der alte Kutter fein gemacht für das Norder Hafenfest. Zu diesem Termin hat die „Ems” wie schon im vorigen Jahr „Ausgang”: Dann schippern Holzkämper, der über 30 Jahre lang einen eigenen Kutter gefahren hat, und Wolff zum Norder Hafen. Bei dieser Gelegenheit haben sie auch einige Passagiere an Bord, die sich die idyllische Fahrt durch die Meedenlandschaft nicht entgehen lassen wollen. „Beim letzten Mal ist sogar der Pastor mitgefahren”, blickt Wolff zurück.

Vor drei Wochen hat die „Ems” ein neues altes Baumwollnetz bekommen, das rund 30 Jahre lang auf dem Netzboden des Greetsieler Fischers Gerold Conradi lag. Holzkämper hat es an die Maße der „Ems” angepasst und zusammen mit Wolff angebracht. Das abgängige Vorgängernetz stammte übrigens von Conradis Vater.

„Wir haben den Kutter so zurückgebaut, dass er einer Ausführung der 1940er- bis 1950er-Jahre entspricht”, erläutert Uwe Fitzek, Sprecher der Interessengemeinschaft (IG) zur Förderung Greetsiels und Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Greetsiel, die den Kutter gemeinsam unterhalten. Seit 25 Jahren werden auch die Holzrollen nicht mehr hergestellt, mit denen das Netz versehen ist. Sie haben ein Vierteljahrhundert im Wasser gelegen, bis sich Holzkämper wieder an sie erinnerte und herausfischte. Ohne das kühle Nass gäbe es sie schon längst nicht mehr, gibt er zu bedenken. „Wenn man die Bänder abnimmt, fallen sie auseinander.”

Holzkämper und der 68-jährige Hafenmeister können sich noch gut an die 1950-er Jahre erinnern, als der Kochtopf, in dem der Granat an Bord gekocht wurde, noch mit Kohle und Holz erhitzt wurde. „Wenn die Fischer damals rausgefahren sind, haben sie den Ofen angeheizt”, erinnert sich Wolff. Diese Vergangenheit will er auf dem Museumskutter noch in diesem Jahr wieder auferstehen lassen. Das nötige Zubehör ist seit jeher auf der „Ems” vorhanden, doch hatte sich der Hafenmeister bislang nicht getraut, den Ofen wieder in Gang zu bringen. Nach alter Tradition soll der gekochte Granat anschließend in einer Vorrichtung mit Siebschubladen abtropfen, bevor er in Plastikbehältern gestapelt wird.

In diesem Jahr soll auch das hölzerne Steuerhaus in Angriff genommen werden, das sichtlich in die Jahre gekommen ist: Es benötigt ein neues Dach. „Das machen wir aber nicht selbst, das muss ein Schreiner oder Tischler fertigen”, betont Wolff. Derzeit werde ein Kostenvorschlag erstellt.

Ölofen als Heizung

Früher kümmerten sich fünf Männer um die alte „Ems”, inzwischen sind vor allem Holzkämper und Wolff für den Museumskutter zuständig. Der Unterhalt wird vornehmlich aus dem Erlös des Weihnachtsmarktes im Fischerdorf bestritten, der von der IG Greetsiel alljährlich veranstaltet wird; weitere Einnahmen kommen von der Konzerten des Shanty-Chors „De Freebeuters” Greetsiel, und gelegentlich können sich Holzkämper und Wolff über Spendengelder und Sachspenden freuen. So bekam die „Ems” vor zwei Jahre einen alten Ölofen als Heizung.

Das Museumsschiff hält die Stellung im Greetsieler Fischerhafen, wenn die Kutter unterwegs sind. Bis zum Herbst, weiß der Hafenmeister, sind 13 der 24 Kutterfischer „außer Haus”: Sie fischen bei Sylt oder auf der Elbe. Die übrigen elf Kutter sind auf der Ems oder vor Borkum. Zu der Greetsieler Flotte gehören zudem zwei Muschelschiffe.

Quelle: Emderzeitung April 2010

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